Frankreich ~Normandie / Bretagne

Frankreich ~Normandie und nördliche Bretagne

„Take my love, take my land, take me where I cannot stand. I don’t care, I’m still free – you can’t take the sky from me“

 

Tag 1 – 3 ~ Saint Jouin Bruneval *

Mitte Juli geht es endlich los auf die langersehnte, große Tour. Passend zu unserer „Serenity“ getauften alten Lady und unserer Lieblingsserie Firefly beginnt CD 1 für die Reise mit dem Titellied der Serie. Wir finden es passt auch wunderbar zu unserem Reisegefühl – egal ob mit Raumschiff oder Wohnmobil – We are free.

Also ab Richtung Normandie und Bretagne. Die Normandie kennen wir schon aus einem früheren Urlaub, als wir noch mit dem Zelt unterwegs waren. Hier waren wir schon absolut geflasht von der Schönheit der weißen Kreidefelsen der Alabasterküste rund um Etretat.DSC_2576

Die Farbe und Rohheit des Atlantiks, die weißen Kiesel am Strand – der Wahnsinn. Deswegen beschließen wir auch sehr spontan schon am Sonntag nachmittag und nicht erst montags loszufahren, Etappenziel soll Saint-Jouin-Bruneval sein. Hier waren wir schon in unserem Urlaub 2012 absolut begeistert von dem Wohnmobilstellplatz (oder Parkplatz mit Wohnmobil-Duldung) direkt am Strand.[robomap 1]

Schon damals haben wir davon geträumt genau hier auch einmal zu stehen. Dass es so schnell schon dazu kommen würde, hätten wir damals im Traum nicht gedacht. Die Hinfahrt zieht sich wegen Vermeidung der Autobahnen und sowieso allgemeiner Uneinigkeit mit unserer Navigations-App länger als geplant hin. Unsere Navi-App redet im Übrigen nur Englisch mit uns, was aber nicht wirklich ein Problem darstellt. Wie toll das Unterwegs-Sein im Wohnmobil doch ist, wird uns noch einmal so richtig bewusst, als wir irgendwo in Frankreich auf dem Seitenstreifen einer Landstraße anhalten um gemütlich unsere noch von zuhause mitgebrachten Sandwiches zu verspeisen. Die Autos sausen an uns vorbei, die Sonne geht langsam unter – und wir essen. Danach alle noch mal auf’s Klo und dann reiten… ähm… fahren wir los. DSC_2594

Später fängt es noch an zu regnen, dunkel ist es zwischenzeitlich auch. Das macht das Fahren dann stellenweise doch zum Blindflug, wir stellen fest dass die Scheinwerferverstellung nicht mehr funktioniert. Die Scheinwerfer leuchten überall hin, nur nicht auf die Straße. Nachts gegen halb eins kommen wir dennoch glücklich in Saint-Jouin-Bruneval, Plage, an. Kurz vor dem Einschlafen noch die Erkenntnis „Hör mal, man kann das Meer hören…“
Am nächsten Morgen regnet es noch immer, mich zieht es direkt nach dem Aufwachen hoch zu Kaylee auf’s Hubbett – gemeinsam lugen wir durch den Vorhang nach draußen und sehen das Meer. Auch mit Regentropfen auf der Scheibe und wolkenverhangenem Himmel ist es einfach wunderschön, schön unter der Decke rumlümmeln zu können und dabei das Meer direkt vor dem Fenster zu haben. Quasi direkt nach dem Frühstück – gezwungenermaßen erst nach dem Frühstück – nimmt Kaylee ihre Strandläufertätigkeit auf. Kescher, Eimer – mehr braucht ein Kind nicht zum Glücksichsein. DSC_2588

Ich kann’s verstehen. Wir finden kleine Quallen und natürlich Steine, Steine, Steine. Nachdem wir die besten Pommes ever, vermutlich selbst gemacht, toll gewürzt, direkt am Strand genossen haben, neigt sich der Tag auch schon bald dem Ende zu. Kaylee und ich fassen den Entschluss, dass unsere Steinsammlung auf der Badezimmerfensterbank noch erweitert werden müsste und nehmen gleich mal ein paar der – in Saint-Jouin wirklich sehr großen Brocken mit. Wir haben ja fast eine Tonne Zulademöglichkeiten 😉
Auf dem Stellplatz wundern wir uns schon den ganzen Tag über einen dort parkenden tschechischen LKW, auch die beiden Fahrer haben hier  übernachtet. Gehen zwischendurch an den Strand, machen ein bisschen laute Musik – wir fragen uns noch heute worauf sie wohl gewartet haben. Am nächsten Morgen fahren sie ab. Ebenso Rätsel gibt uns das Wohnmobil direkt neben uns auf, es stand schon da als wir kamen und es steht noch immer da, als wir abfahren. Die ganze Zeit über war dort niemand. Mein Mann entwickelt schon Theorien über Herzinfarkt im Wohnmobil usw. Vielleicht waren die Leute aber auch nur auf einem Kurztrip nach England und haben solange dort geparkt oder, oder, oder… Wir werden es wohl nie erfahren. In den beiden Nächten hier merken wir aber auch, dass das „freie Stehen“, dass wir ja hier quasi zum allerersten Mal praktizieren noch ungewohnt für uns ist. Obwohl massig Wohnmobile um uns rum sind – und es ja eigentlich noch nicht mal wirklich freies Stehen ist – fühlen wir uns doch irgendwie unsicherer als bislang beim Zelten mit der suggerierten Sicherheit einer Campingplatzschranke.
Am nächsten Morgen machen wir uns zeitig auf Richtung Surtainville. Den Campingplatz dort hatten wir schon, für den ja eigentlich noch geplanten Urlaub mit dem Zelt, gebucht. Als sich dann ergab, dass wir glücklicherweise mit dem Wohnmobil würden reisen können, habe ich den Platz problemlos von zwölf Nächten auf drei Nächte umbuchen können. Surtainville liegt auf der wunderschönen Halbinsel Cotentin, in der Region Basse-Normandie.[robomap 2]

Auf dem Weg dorthin überqueren wir die imposante Brücke Pont de Normandie. Sie spannt sich als gewaltige Hängebrückenkonstrukion über das Delta der Seine. Vor der Überquerung kommt es allerdings noch zu einem gewaltigen Stau, an die Mautstation gelangen wir nur, da wir igendwann den Fahrzeugen vor uns durch eine Einbahnstraße über den Parkplatz der Mautstation folgen. Wie wir später erfahren werden, protestieren die Bauern in Frankreich gegen immer weiter gedrückte Preise für ihre Erzeugnisse. Hier lernen wir, dass Protest in Frankreich wie immer deutlich eindrucksvoller ausfällt als in Deutschland. Auf der Autobahn reihen sich hunderte von LKW aneinander, blockiert durch querstehende Traktoren, teilweise wurden sogar Misthaufen mitten auf die Fahrbahn gekippt. Die Meisten dieser Aktionen befinden sich, glücklicherweise für uns, auf der Gegenfahrbahn.

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Surtainville *

Unseren Zielort Surtainville erreichen wir dann bei strahlendem Sonnenschein, schon von der Straße aus können wir das knallblaue Meer sehen. Der Sandstrand ist breit. Der Ort Surtainville und auch der Campingplatz gefallen uns wirklich sehr gut, hier sieht es schon ein bisschen „südlich“ aus. Keine Ahnung, wie man es anders beschreiben könnte. Macht natürlich auch das schöne Wetter, die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel herunter. Das Meer ist hier wirklich toll, es läuft in richtigen Brechern aus. Alle Kinder haben hier Bodyboards und versuchen sich im „surfen“ oder was sie so dafür halten… Irgendwie sieht es hier ein bisschen so aus wie „zuhause“ in Holland oder Belgien an der Nordsee, mit Dünen und Sandstrand. Aber halt in sonnig. Das Licht ist so anders… Ein paar Hundert Meter weiter ist  Steilküste, hinter uns die Dünen. So muss Meer aussehen. Gegenüber kann man die Kanalinseln Jersey und Guernsey erahnen. Der Campingplatz liegt weit außerhalb des Dorfes, dafür aber nur ein paar Meter hinter den Dünen. Ein wirklich neu renovierter Sanitärbereich und der wirkliche günstige Preis, es handelt sich um einen Camping Municipal, macht Les Mielles Surtainville zu einem echten Tipp.

Tag 4 – 5 ~Surtainville & Nez de Jobourg *

Am nächsten Tag wollen unsere Vorräte aufgefüllt werden. Da Kaylee auf dem Platz schon eine neue Kurzzeit-Freundin aus Bonn gefunden hat, können wir direkt Tipps zum Einkaufen bei deren Oma einholen. So landen wir in einem Intermarche in Les Pieux. Wie wir noch öfter auf unserer Reise feststellen werden, sind die Supermärkte hier riesig. Wir landen zumindest immer in den riesigen. Ein echter Tipp für Wohnmobilfahrer in Frankreich ist, dass diese großen Supermärkte auch meistens eine Campingservicestation haben. Hier kann man auch mit dem Wohnmobil übernachten, manche haben sogar Waschmaschinen auf dem Parkplatz. Günstig tanken kann man hier sowieso. Fortan haben wir dann immer Ausschau nach Intermarche, Carrefour oder SuperU gehalten…

Am Abend kriege ich mich kaum noch ein, als wir noch für einen kleinen Abendspaziergang und ein paar Fotos in den Dünen unterwegs sind. Unsere Tochter tollt unten am Strand rum, als sie sich plötzlich ihre Strickjacke um den Kopf bindet. Was mag das Kind wohl vorhaben? Sie legt sich in den Sand und macht „Sandengel“. Geht also nicht nur im Schnee – und Sand bekommt sie auch nicht in die Haare, kluges Kind… 😉

Camping Les Mielles
Camping Les Mielles
Surtainville Plage

Wir brechen zu einer Tagestour auf, um Nez de Jobourg zu besichtigen. Ein wirklich beeindruckendes Kap, tolle Steilküste.

Nez de Jobourg
Nez de Jobourg

Noch mehr beeindruckt hat uns allerdings das unglaublich pittoreske Dörfchen Vauville, dass wir zufällig auf dem Rückweg Richtung Campingplatz Surtainville entdeckt haben. Das ganze Dorf war so unglaublich schön und ruhig, wie aus einer anderen Zeit. Dort hat uns auch der botanische Garten „Jardin Botanique“ sehr beeindruckt. Hier gab es Pflanzen, die aussehen wie Riesen-Rhabarber… Später sollten wir diese seltsamen Gewächse auch noch in einigen Vorgärten entdecken. Dem milden Klima des Golfstroms sei Dank…

Riesen-Rhabarber
Riesen-Rhabarber
Blick auf das Meer aus dem botanischen Garten
Blick auf das Meer aus dem botanischen Garten

Danach unternahmen wir noch einen kleinen Abstecher zum Hafen von Barneville-Carteret. Hier haben wir uns nicht lange aufgehalten, uns war die Stadt einfach zu groß und zu … städtisch. Davon abgesehen war im Hafen gerade Ebbe – und hier sah Ebbe dann wirklich aus wie im deutschen Wattenmeer – weit und breit kein Wasser zu sehen…. Den auf unserer Frankreichrundreise höchsten Preis für eine Kugel Eis – nämlich 3,50 € –  sahen wir auch hier im Hafen…

Tag 6 Mont-Saint-Michel *

Wir machen uns auf den Weg weiter gen Westen und von der Halbinsel Cotentin runter, wir wollen zum legendären Klosterberg Mont-Saint-Michel. Wir steuern den Wohnmobilstellplatz im Dorf Beauvoir an, hier zahlen wir – den für französische Verhältnisse – hohen Preis von 15 Euro für einen Tag. Der Platz ist wunderschön angelegt, die Stellplätze sind durch Hecken voeinander getrennt, es gibt an jedem Platz Strom, natürlich Ver- und Entsorgung und sogar kostenloses W-Lan. Um den Mont-Saint-Michel zu besichtigen, liegt der Platz wirklich sehr gut. Wir laufen so ca. 2 km bis zum Parkplatz und „Busbahnhof“ des Mont. Von hier aus fahren kostenlose Busse im Minutentakt bis direkt zum Kloster. Bis vor einigen Jahren konnte man wohl noch direkt an der Abtei parken, da der Damm aber immer mehr verlandetete, hat man angefangen das ganze Gebiet wieder zu renaturieren, damit der Berg nicht seinen „Inselcharakter“ verliert. Während unseres Besuches war sowieso Ebbe, inselig war es jedenfalls nicht. Der Besuch des Mont-Saint-Michel war für uns auf jeden Fall eines der Highlights unserer Frankreich Reise, schon das mittelalterliche Dorf am Fuße des Klosterberges ist unglaublich schön, wenn natürlich auch bis auf den letzten freien Meter mit Touristen-Souvenir-Shops zugebaut. Hier lässt sich aber, vor allem gegen Abend, wenn der Großteil der Touristenmassen bereits abgereist und einige Geschäfte schon geschlossen haben, erahnen wie es hier vielleicht vor ein paar Hundert Jahren ausgesehen haben mag. Zunächst waren wir uns gar nicht sicher, ob wir die Abtei überhaupt von innen besichtigen sollen. Nachher haben wir uns dann doch dazu entschlossen, so nach dem Motto „wenn man denn schonmal hier ist, muss man ja wohl auch die Abtei von innen gesehen haben…“. Ein Glück! Es war absolut fantastisch. Zu den Eintrittkarten haben wir uns einen Audioguide gegönnt, der wirklich sehr lehrreich und interessant war. Die schiere Größe der Hallen im Inneren und vor allem die Vorstellung wie man die ganzen Steine vor 1000 Jahren auf diesen Berg mitten im Meer gebracht haben mag, hat uns alle unglaublich beeindruckt. Für mich zusätzlich spannend war die Tatsache, dass ich zeitgleich ein Buch „Der Fluch des Mont-Saint-Michel“ gelesen habe, ein Roman á la Dan Brown. Mässig spannend, aber die Schauplätze der Geschichte dann parallel „live“ zu sehen, finde ich immer besonders. Schon seit ein paar Jahren halte ich es so, dass ich mir immer eine zum Urlaubsziel passende Lektüre aussuche. (Vorher auf unserer Reise habe ich schon „Die Liebenden von Cabourg“ gelesen… 😉

Unser Fazit: Bei einer Reise in die Normandie ist für uns ein Besuch des Mont-Saint-Michel ein Must!

Hier ein paar Eindrücke:

Wohnmobilstellplatz Beauvoir

Wohnmobilstellplatz Beauvoir

Fußweg zum Busbahnhof Mont-Saint-Michel

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ehemaliger Speisesaal
ehemaliger Speisesaal
Kreuzgang
Kreuzgang
Blick von oben
Blick von oben
Das Dörfchen
Das Dörfchen
Tag 7 ~ Cancale, Jacut de la Mer *

Heute zieht es uns einfach ziellos weiter gen Westen, im Vorbeifahren entdecken wir einen wunderschönen Strand, voller Muscheln. Da der Wind gerade passt, packen wir die Drachen aus. In der Ferne kann man noch den Mont-Saint-Michel am Horizont sehen. Der Strand lag in der Nähe der Orstschaft Hirel

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Ich habe wirklich noch nie so viele Muscheln an einem Fleck gesehen…

Muschelstrand
Muschelstrand
Am Horizont der Mont-Saint-Michel
Am Horizont der Mont-Saint-Michel

Wir fahren weiter in die Gegend um Cancale. Berühmt für Austern. Ich war noch niemals in der Karibik, aber so stelle ich mir dort die Farbe des Meeres vor. Es ist einfach unglaublich! Zwischenstopp machen wir nochmal kurz hinter Cancale, hier finden wir wieder einen wunderschönen Strand – sogar mit Kinderspielplatz.

Bucht kurz hinter Cancale
Bucht kurz hinter Cancale

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Wir fahren an diesem Tag noch einige traumhaufte Strandabschnitte an. Allerdings ist auch alles sehr voll. Die ersten paar Stell- und Campingplätze, die wir in der Region hinter Cancale anfahren möchte sind alle „complete“. Hinzu kommen noch einige, zumindest für Wohnmobile verdammt enge Straßen, ein paar Wendemanöver später beschließen wir, dann wohl doch noch ein Stück weiterzufahren. Einen Stellplatz für die Nacht finden wir dann in Jacut de la Mer. Auf Grund eines defekten Schrankensystems erfreulicherweise sogar gratis. Der Ort an sich sieht auch wirklich nett aus, wir sehen den Strand allerdings nur bei Ebbe, die auch hier wirklich „kein Wasser zu sehen“ bedeutet. Auf dem Stellplatz treffen wir noch französische Mutter und Tochter und kommen ins Gespräch. Da die Tochter ein paar Jahre in München gelebt hat, können wir uns ein paar Worte in deutsch unterhalten, das sie noch erstaunlich gut spricht.

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Jacut de la Mar bei Ebbe
Jacut de la Mer bei Ebbe
Tag 8 ~ Cap Frehel *

Sehr zu unserer Freude fährt morgens ein Bäckerwagen auf den Stellplatz, leider regnet es in Strömen und es dauert ein paar Minuten, bis alle Camper ihr Baguette ausgesucht und gezahlt haben. Hier scheint mir aber, dass die Franzosen (oder zumindest die französischen Camper) irgendwie gelassener sind. Niemand verzieht das Gesicht, alle grüßen freundlich, das ein oder andere Schwätzchen wird gehalten…  Irgendwie ansteckend, die Gelassenheit…

Schon bald hört auch der Regen auf – wir fahren zum Cap Frehel. Parken können wir kostenlos, da das Kassenhäuschen wohl noch nicht besetzt ist. Hier kann man die erstaunliche Rauheit des Atlantiks (oder ist das hier noch der Ärmelkanal???) beobachten. Das Meer ist tiefblau und alle bauen Steinmännchen, unsere Tochter natürlich auch.

Cap Frehel
Cap Frehel
Cap Frehel
Cap Frehel

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Steinmännchen am Cap Frehel
Steinmännchen am Cap Frehel

Ganz in der Nähe, zum Ortsteil Plevenon zugehörig, finden wir einen Camping Municipal. Von der Lage her mit Sicherheit der schönste Platz, auf dem wir bis dahin gewesen sind. Er liegt im Wald, man kann sich quasi „Separee“ Plätze irgendwo zwischen den Bäumen suchen. Das entdecken wir allerdings erst, nachdem wir unsere Serenity auf der großen Wiese im Eingangsbereich geparkt haben. Wie wir aber feststellen, ist uns das mit dem Wohnmobil auch ziemlich egal, wie die „Parzelle“ aussieht, da man ja eh meist nur eine Nacht bleibt. Mit dem Zelt früher war das natürlich was ganz anderes – mit dem Zelt wäre dieser Platz ein absoluter Traum gewesen. Die Sanitäreinrichtungen sind allerdings – naja… alt, alt, alt – aber sauber. Wir haben zum Glück im Wohnmobil alles dabei. Auf diesem Platz sehen wir sehr viele Leute aus NRW, scheint irgendwo ein Nest… 😉 Einmal die Straße überqueren und man ist auch schon an einem traumhaften Strand. Hier findet sich wieder die für mich so Bretagne-typische perfekte Symbiose aus Sand, Felsen und Meer…

Camping Municipal Plevenon
Camping Municipal Plevenon
Strand gegenüber vom Campingplatz
Strand gegenüber vom Campingplatz

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Hier scheint es üblich zu sein, dass die Campingplätze ihr WLan für die Camper freigeben, allerdings ohne großen IMG_0230technischen Aufwand. Das Passwort hängt an der Rezeption aus und Empfang gibt es auch nur rund um das Häuschen – was natürlich dazu führt, dass zig, zumeist jugendliche Camper, in der Nähe der Rezeption mit ihren Handys herumlungern ;-), wir gesellen uns auch mal dazu und freuen uns, die Lieben zuhause mit ein paar Fotos unserer traumhaften Aussicht neidisch zu machen. Währenddessen macht unsere Tochter Bekanntschaft mit ein paar niederländischen Kindern und einem Mädchen aus Mülheim an der Ruhr. Sie ist so froh, wieder mal ein paar Kinder zum Spielen um sich zu haben, dass sie noch nicht mal mit uns zum Strand will.

Tag 9 ~ Beauport, Paimpol, Pleubian *

Am Morgen fahren wir weiter nach Saint- Brieuc. Laut diversen Reiseführern muss man hier mal gewesen sein. Wir haben vielleicht die falsche Ecke der Stadt erwischt, uns hat es nun mal garnicht gefallen hier. Schnell machen wir uns wieder auf den Weg, im Rausfahren entdecken wir noch, dass Saint-Brieuc unter anderem Partnerstadt von Alsdorf, nicht allzu weit von uns zuhause entfernt ist. Für uns erklärt das nun alles – Alsdorf, absolut hässlich, Saint-Brieuc, auch hässlich. 😉 So einfach kannˋs manchmal sein….

Weiter gehtˋs zur Abteiruine von Beauport. Hier können wir ein paar tolle Eindrücke sammeln, von innen besichtigen wir die Abtei allerdings nicht. Auch interessant finden wir die Tatsache, dass an der Abteil wohl einer der französichen Jakobswege startet, so können wir behaupten, ein paar Hundert Meter auf dem Jakobsweg Richtung Santiago gelaufen zu sein ;-). Der Strand hinter der Abtei ist sehr steinig, Steine in allen Farben und Formen. Wieder Nachschub für die Sammlung unter dem Beifahrersitz. Kaylee hat sogar einen Stein gefunden der „wie der Eiffelturm ausieht…“.

An der Abbaye Beauport
An der Abbaye Beauport
Direkt hinter der Abbaye
Direkt hinter der Abbaye

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Über Paimpol, wo es sehr überlaufen ist, fahren wir weiter – unsere heutige Mission ist es einen neuen Adapter für unseren Wasserschlauch zu finden. Unserer ist irgendwie abhanden gekommen.  Garnicht mal so einfach, wenn man keine Ahnung hat was Baumarkt auf französisch heißt. Auch der Google Übersetzer ist hier nicht so richtig hilfreich. Irgendwann finden wir etwas, das Baumarktähnlich aussieht. Es entpuppt sich mehr als eine Art Agrar- und Gartenzubehörhandel. Hier werden wir fündig. Wie sich leider später am Tag herausstellt, passt dieser Adapter nicht auf die Standard Wasserhähne an den Versorgungssäulen. Macht aber nix, da die Säule uns eh kein Wasser geben will, da scheinbar die Kreditkartenzahlung defekt ist. Also weiter suchen. Irgendwo in einem wunderschönen Dörfchen, es könnte Levenieux gewesen sein, fragen wir in einem kleinen Supermarkt nochmal nach einem Wasseradapter. Keine Ahnung wie, bisschen Englisch, bisschen Französich viel Hände und Füße – auf jeden Fall teilt uns die freundliche Mitarbeiterin mit, dass sie so etwas nicht führen – aber irgendwas von „die Straße runter, vielleicht“. So haben wir es jedenfalls verstanden. Also fahren wir weiter, was sich schon aufgrund des unheimlich süßen Dörfchens lohnt. Tatsächlich entdecken wir ein kleines Haushaltswarengeschäft. Es sieht aus, als wären dessen beste Zeiten so seit 30 Jahren vorbei, zumindest im hinteren Bereich des Ladens – aber tatsächlich finden wir hier unseren ersehnten Adapter! Also gilt es jetzt nur noch eine Versorgunsstation zu finden – diese sind irgendwie in der Gegend recht rar gesät – zumindest kennt unsere Stellplatz-App  nicht allzu viele. Irgendwo werden wir fündig und das sogar gratis. Der Tag ist dann perfekt, als wir einen ausgewiesenen Wohmobilstellplatz in einem Gewerbegebiet hinter einem Dörfchen irgendwo am Ende der Welt finden. Hier können auf zwei Parkstreifen maximal 4 Wohnmobile übernachten. Man ist vom Strand nur durch eine Hecke getrennt. Es herrscht gerade Ebbe und wir haben das Gefühl, als wären wir auf einem anderen Planeten. So unglaublich faszinierend sieht der trockengelegte Meeresgrund hier aus. Total geflasht sind wir, als wir dann tatsächlich Schalen von Jakobsmuscheln finden. Mehr als Handtellergroß! Wir als Nordsee-Muschelsammler können es garnicht fassen, solche tollen Muscheln selbst gefunden zu haben. So ist Kaylee dann auch noch den Rest des Abends mit „strandläufern“ beschäftigt, immer bewaffnet mit Eimerchen und Schaufel. Das tun hier allerdings auch erwachsene Leute – scheinbar eignet sich dieses Gebiet besonders zum (lebende) Muscheln und Krabben sammeln. Ein paar Überreste von toten Krabben finden wir auch. Bei der Größe dieser Teile möchten wir sie auch lieber nicht lebend sehen…. Es ist sehr windig, wodurch wir recht unruhig schlafen. Ansonsten ist es aber unglaublich still. Der Ort müsste Pleubian, ein ganz schmaler Landzipfel gewesen sein. Für uns eines der Highlights unserer Reise.

unser Stellplatz in Pleubian
unser Stellplatz in Pleubian
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DIE Jakobsmuscheln

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Tag 10 ~Le Gouffre, Perros-Guirec *

Heute machen wir uns auf um das „Haus zwischen den Felsen“ zu finden – ja genau, dieses für die Bretagne absolut typische Foto… Wir haben den ganzen Ort „Le Gouffre“ abgeklappert, rauf und runter, wir haben viel Schönes gesehen – aber dieses eine Haus nicht… Egal…

 

Le Gouffre
Le Gouffre

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Wir übernachten auf einem sehr schönen Campingplatz direkt vor Perros-Guirec, hier gibt es, sehr zur Freude unserer Tochter, sogar einen Pool. Die Wohnmobilstellplätze liegen wunderschön direkt am Wasser. Ein Snackrestaurant gibt es auch auf dem Platz, was wiederum Marco sehr glücklich macht, der endlich Pommes bekommt ;-).

Tag 11 ~St.-Pol-Leon *

Wir fahren mit dem Wohnmobil auf einen großen Parkplatz in guter Nähe zu Hafen und Innenstadt von Perros-Guirec. Direkt am Parkplatz schließt sich eine Art Park an, hier sehen wir die wohl größte Ansammlung von Boule -Bahnen, die uns je in Frankreich begegnet ist. Hier kann man vermutlich wahre Weltmeisterschaften abhalten ;-). Wir machen uns auf zum Shoppen, Ziel ist der Erwerb eines bestimmten Lavendelsprays als Mitbringsel für Zuhause.

Campingplatz Perros-Guirec
Campingplatz Perros-Guirec
Kirche in Perros-Guirec
Kirche in Perros-Guirec

Unterwegs treffen wir noch auf eine urige, sehr alt aussehende Kirche, die wir besichtigen. Nachher noch ein Kaffeee am Hafen, ein wirklich schöner Tag bei herrlichem Wetter. Alles in allem ist die Stadt uns allerdings dann – oh Wunder – doch auch wieder ein bisschn zu groß. Wir fahren also weiter gen Westen, vorbei am traumhaften Strand von Pointe Primel – hier ist allerdings weder Campingplatz noch ein Parkplatz zu kriegen, enttäuscht müssen wir weiter fahren, hier sieht es wirklich wunderschön aus. So landen wir schließlich in St-Pol-Leon, auf einem Stellplatz am Hafen und machen noch nette Bekanntschaft mit einer Familie aus Giesen, mit denen wir einen netten Abend verbringen. Glücklich gemacht haben wir sie auch noch – in ihrem Mietmobil waren sie seit nunmehr einer Woche ohne warmes Wasser unterwegs, der Boiler funktionierte wohl nicht – nachdem Marco ihnen kurz den Kamin des Boilers durchgepustet hat, war die Freude über warme Duschen und warmes Spülwasser groß.

keine Parkplätze - Pointe Primel
keine Parkplätze – Pointe Primel
Tag 12 / 13 ~ Finistere *

Wir fahren durch Roscoff, das auch nach einer wirklich schönen Stadt aussieht, aber auch hier ist es sehr voll und ein Parkplatz in Wohnmobilgröße ist nicht zu kriegen. Also Besichtigung als Stadtrundfahrt… An diesem Tag landen wir auf einem wunderschönen Campingplatz direkt am Meer, wunderbar mit „Wildcamping“ Feeling, da unparzelliert. Dazu haben wir noch wirklich heißes, sonniges Wetter. Ärgerlich ist nur, dass der Platz mit Plätze mit Strom verkauft, als tatsächlich Anschlüsse vorhanden sind. So hat uns dann jemand den Stromanschluss geklaut, während wir noch kurz einkaufen sind. Da unser Kühlschrank aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich gut mit Gas kühlt, ist bei der Hitze ein Stromanschluss für uns ein Must. So bleiben wir dann doch nur einen, statt der geplanten zwei Tage. Wir lassen uns aber nicht entgehen, noch die nahegelegenen Dolmen zu besichtigen. Außerdem machen Marco und Kaylee eine Kanu-Paddeltour während ich entspannt in der Sonne sitze und versuche die beiden in der Bucht zu sichten. Einfach ein traumhaftes Plätzchen hier, wieder mal eine perfekte Bretagne – Meer, Steine, Sonne. Wir sind jetzt fast am Rand der Welt, Finistere.

Camping Gonval

Gonval Camping

Gonval Camping
Gonval Camping

 

Gonval
Gonval

Nach der Strom-Pleite fahren wir weiter und landen auf einem Wohnmobilstellplatz Nahe Lampaul-Plouarzel, hier gibt es eine traumhafte Bucht, fast für uns allein. Die Sonne scheint, der Sand ist weiß, das Wasser türkis  – wie im Paradies.

Traumstrand am Rand der Welt
Traumstrand am Rand der Welt

 

Tag 14 ~Pointe de Corsen *

Wir unternehmen noch einen Abstecher anden (fast) westlichsten Punkt des französischen Festlandes, Pointe de Corsen. Ansonsten genießen wir den Rest des Tages noch unsere herrliche, geheime Bucht mit tollem Wellengang und einem fotoreifen Sonnenuntergang. Wir machen noch die Bekanntschaft einer Familie aus dem Ruhrgebiet, sie sind mit einem ähnlich alten Wohnmobil-Schätzchen unterwegs wie wir. Sie erzählen uns von ihrer Tour durch Schottland im Jahr zuvor, in diesem Moment wird bei meinem Mann der Wunsch nach Schottland zu reisen geboren und kurz danach auch schon ziemlich konkret.

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Pointe de Corsen

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Sunset…

 

Tag 15 ~Huelgoat *

Wir beschließen einem Tipp der Giesener Familie aus St.-Pol-Leon zu folgen und schlagen den Weg ein wenig ins Landesinnere, nach Huelgoat ein. Hier soll es einen „Zauberwald“ geben. Ein Abstecher der sich definitiv gelohnt hat. Der Wald und vor allem die darin liegenden Steinformationen, Höhlen und Wasserfälle sind unglaublich. Die Steine sehen so aus, als hätte ein Riese gekegelt ;-). Ganz französich kann man auch, weitestgehend ohne von irgendwelchen Geländern oder Absperrungen behindert zu werden (für D wieder mal undenkbar) über die Felsen klettern, Springen -was auch immer. Es ist auf jeden Fall eine echte Herausorderung und mehr als einmal hilft man sich gegenseititg. Hier gibt es auch den sogenannten Zitterfelsen, ein riesiger Steinkoloss, der sich aber geringfügig bewegen lässt. Die einzelnen Orte tragen so schöne Namen wie „Feenteiche“ oder „Teufelsgrotte“. Und wirklich meint man hinter jedem Blatt oder unter unter jedem Stein könnte eine kleine Fee oder vielleicht ein Kobold sitzen. Den passenden Laden hierzu gibt es im Dorf natürlich auch. Hier gibt es wirklich niedlichen Fantasy Kitsch ;-).

Huelgoat
Huelgoat

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…schon eine kleine Fee gesehen ;)…???

Ziemlich spontan beschließen wir, noch eien Abstecher zurück in die Normandie, nach Etretat zu machen. Wir wollen nämlich noch garnicht nach Hause. Für eine kostenlose Zwischenübernachtung fidnen wir ein kleines, hübsche Dorf namen Villedieu les Poeles. Hier übernachten wir mitten im Dorf auf einem Parkplatz mit V/E. Morgens gibt es nach einem kleinen Spaziergang sogar ofenfrische Baguette, was will man mehr?

Villedieu les Poeles
Villedieu les Poeles
Tag 16 ~Etretat *

Wir erreichen Etretat gegen Mittag. Es ist unglaublich voll hier, mit mehr Glück als Verstand ergattern wir einen der letzten freien Plätze auf dem Stellplatz. Das hatten wir kaum zu hoffen gewagt, da schon vor dem Ortseingang zig Wohnmobile am Straßenrand parken. Der Stellplatz ist nicht wirklich schön, aber na ja. Uns zieht es sowieso Richtung Strand. Aber auch hier wimmelt es von Menschen. Als wir drei Jahre vorher schon einmal hier waren, war es noch nicht ganz so voll. Kaylee nutzt das gute Wetter trotzdem und schwimmt eine Runde. Wie gönnen uns noch Crepe / bzw. Gallette an Etretats Fressmeile. So langsam realisieren wir, dass dieser traumhafte Urlaub zu Ende geht. Wir erstehen noch ein paar Souvenirs und gehen dann früh schlafen, wir haben am nächsten Tag noch einelange Heimreise.

Etretat
Etretat
Tag 17 ~Nach Hause… *

Wir erreichen die Heimat ohne besondere Vorkommnisse. So schade, dass die Reise vobei ist! So schade, dass wir unseren Hund aus der Urlaubsbetreuung holen, ein bisschen Wäsche waschen und wieder los fahren in die nahe Eifel – schließlich haben wir noch vier Tage Urlaub!

 

You can’t take the sky from me…

 

 

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